Zu Beginn des Jahres ist es auf vielen Ackerbaubetrieben etwas ruhiger, auf dem Feld steht selten etwas an. Zeit, jetzt schon die Äcker ins Visier zu nehmen: „Im Januar kann man die Getreidebestände noch nicht zuverlässig beurteilen – man sieht aber zumindest ihr Potenzial“, sagt Landwirt Markus Paul aus Rheinland-Pfalz. „Man bekommt einen Eindruck, ob der Bestand grundsätzlich passt oder ob man im Frühjahr schnell reagieren muss.“
Paul nutzt den Winterrundgang als Frühwarnsystem: auffällige Zonen markieren, Fotos machen und für das Frühjahr notieren, wo man genauer hinschauen muss. Die eigentliche Bewertung komme erst ab Ende Februar, wenn die Vegetation wieder anspringt und das Wachstum zeigt, ob sich Stressstellen verwachsen oder Handlungsbedarf bleibt.
Für den ersten Eindruck reichen nach Pauls Meinung drei Punkte: Bestandsdichte, Lücken und Vitalität. Ein „guter“ Bestand wirkt für Paul „dunkelgrün“ und vor allem „gleichmäßig“. Früh achtet er auch auf Unkraut – oft genügt ein Blick in die Fahrgasse (die dauerhaft angelegten Spurflächen für Traktoren und Maschinen): „Wenn die Fahrgasse auch grün ist, dann weiß ich: Hier habe ich einen größeren Unkrautdruck.“ Das sei für ihn ein guter Hinweis, welche Schläge im März zuerst auf die Kontrollliste gehören.
Damit das Bild stimmt, schaut Paul nicht nur am Vorgewende, sondern eher in der Mitte der Fläche und an mehreren Stellen. Punktuelle Fehlstellen sprechen eher für Standortthemen wie Bodenstruktur, Verschlämmung oder Staunässe. Streifen im Bestand deuten dagegen häufig auf Technik hin – etwa Saatfehler oder Spritzüberlappungen. Wer solche Muster jetzt richtig einordne, könne im Frühjahr gezielt nachsteuern.
Die Bestockung dagegen lasse sich im Winter noch nicht sauber beurteilen. „Eher so im März, wenn das Wachstum richtig losgeht, dann kann ich sagen, wie viel der Weizen bestockt“, betont Paul. Dies sei für den späteren Ertrag ein entscheidendes Kriterium, denn dafür zählten am Ende die ährentragenden Halme – im Idealfall 500 bis 600 Ähren pro Quadratmeter. Spätestens zum Vegetationsbeginn lohne deshalb ein Zählrahmen: So lasse sich Stickstoff-Strategie und Bestandsführung belastbar anpassen, statt später im Schlag „im Blindflug nach Bauchgefühl“ zu reagieren.
Weil der Spielraum im Pflanzenschutz kleiner wird, gewinne der frühe Kontrollgang an Bedeutung. „Wirkstoffe fallen weg, Auflagen steigen, Resistenzen nehmen zu. Das kann langfristig zu geringeren Ernten führen, wenn zugelassene Mittel fehlen“, warnt der Ackerbauer. Gegensteuern sieht er vor allem über die Fruchtfolge: Unkraut- und Krankheitszyklen brechen, Winter- und Sommerungen sinnvoll wechseln, robuste Sorten wählen und Bestände konsequent monitoren. „Je weniger Optionen im Schrank stehen, desto wichtiger ist es, Probleme früh zu erkennen und gezielt zu handeln“, sagt der Junglandwirt abschließend.