Stickstoff soll wirken, wenn die Pflanze ihn braucht. Betriebsleiter Phillip Krainbring erklärt, wann Inhibitoren helfen können, Ausbringungsfenster besser zu nutzen und Stickstoffverluste zu reduzieren.
Stickstoffhaltige Düngemittel sind ein wesentlicher Kostenfaktor für landwirtschaftliche Betriebe und für Pflanze und Boden zu wertvoll, um ihn zu verlieren. „Die Steigerung der Stickstoffeffizienz ist ein großes und wichtiges Thema – gerade durch die Preisentwicklung im Stickstoffbereich, aber auch aus Sicht der Umwelt“, sagt Phillip Krainbring, Betriebsleiter eines KWS-Ackerbaubetriebs in der Magdeburger Börde. Für ihn lautet die zentrale Frage deshalb: „Wie lässt sich Stickstoffdünger so einsetzen, dass er möglichst dann wirkt, wenn die Pflanze ihn braucht?“
Die Antwort liegt laut Krainbring in mehreren Stellschrauben. Mineralischen Stickstoffdünger bringt er mit pneumatischer Streutechnik aus. Dies ermöglicht eine zielgenaue und damit bedarfsgerechte Verteilung. Organische Dünger, Zwischenfrüchte und Fruchtfolge helfen Nährstoffe auch über den Winter im System zu halten.
Aber auch der Zeitpunkt ist ein wesentlicher Faktor: Gedüngt wird möglichst vor Niederschlägen, damit sich das Düngerkorn schnell auflöst und der Stickstoff schnell in den Boden gelangt. Doch das bleibt unsicher. „In der Vorhersage ist Regen drin – und dann kommt nichts“, beschreibt der Landwirt die aktuelle Lage, die die Planungssicherheit seit Jahren erschwert.
Genau an dieser Schnittstelle wird das Thema Stickstoff-Stabilisatoren bzw. Inhibitoren interessant: Sie stabilisieren Stickstoff oder verlangsamen Umwandlungsprozesse im Boden und verhindern Emissionen in die Atmosphäre oder ins Grundwasser. So können Landwirtinnen und Landwirte günstige Ausbringungsfenster besser nutzen und die Pflanzen noch zielgerichteter mit Stickstoff versorgt werden.
(Foto: Philipp Krainbring)
Inhibitoren können mit organischen oder bestimmten mineralischen Stickstoffdüngern kombiniert werden. So bleibt der Stickstoff länger in einer stabilen Form, wird über einen längeren Zeitraum für Pflanzen verfügbar und geht nicht in die Umwelt verloren. Für Krainbring ist genau das der Reiz an stabilisiertem Stickstoff: „Für mich ist der große Vorteil, dass ich den Stickstoff dann ausbringen kann, wenn die Bedingungen auf dem Feld passen – also wenn der Boden befahrbar ist und Feuchtigkeit da ist. Der Stickstoff ist dann platziert, wird aber nicht sofort komplett umgesetzt, sondern steht der Pflanze über einen längeren Zeitraum zur Verfügung.“
Gerade bei Vorsommertrockenheit kann das Vorteile bringen: Vorhandene Feuchtigkeit lässt sich nutzen, während der Stickstoff erst allmählich verfügbar wird. Mögliche Einsatzbereiche sieht Krainbring etwa bei frühen Gaben im Raps oder bei Qualitätsgaben im Getreide: „Im Raps kann ich mir vorstellen, früh zu streuen und die Gabe länger wirken zu lassen. Im Getreide kann es helfen, Niederschlagsereignisse besser zu nutzen, gerade wenn es später wieder trockener wird.“
In der Praxis funktioniert der Einsatz von Inhibitoren vor allem dann gut, wenn er früh in die Düngestrategie eingebunden wird. Für Krainbring heißt das: Der passende Dünger mit Inhibitor wird bereits beim Einkauf ausgewählt. So lässt sich der Einsatz in Arbeitsabläufe, Kulturführung und Standortbedingungen einplanen.
Wichtig ist für ihn, den Mehrwert im Blick zu behalten. Inhibierter Harnstoff mit Ureasehemmern ist in bestimmten Fällen ohnehin vorgeschrieben. Hier wird die Aktivität des Enzyms blockiert, sodass sich die Umwandlungsgeschwindigkeit von Harnstoff zu Ammonium je nach Bodentemperatur um bis zu zehn Tage verlangsamt.
Krainbring bringt es so auf den Punkt: „Am Ende ist es eine ökonomische Abwägung. Wenn ich Stickstoff durch einen Inhibitor effizienter nutzen, Dünger sparen oder Qualität absichern kann, dann kann sich der Einsatz für den Betrieb klar lohnen.“
Krainbring sieht Inhibitoren nicht als Standardlösung für jede Fläche, sondern als zusätzlichen Baustein. Wichtig sei, Wirkung und Kosten im eigenen Betrieb zu prüfen.
Sein Rat an Berufskollegen: betriebsindividuell entscheiden und nicht gleich auf die ganze Fläche gehen. Wer einsteigt, sollte Vergleichsflächen anlegen – mit und ohne Inhibitor. Nur so lässt sich erkennen, ob der Einsatz unter den eigenen Bedingungen funktioniert und sich lohnt.
Damit sind Inhibitoren für Krainbring kein Allheilmittel, aber ein gezielt einsetzbarer Baustein zur Stickstoffstabilisierung, wenn sie zur Kultur, zum Standort und zur betrieblichen Strategie passen. Ihr Potenzial liegt darin, Stickstoff besser zu timen und damit Erträge zu sichern und die Umwelt zu schonen.