Ein Schlag ist selten überall gleich. Landwirt Philipp Tegethoff zeigt, wie er Boden-, Biomasse- und Ertragsdaten nutzt, um Dünger gezielter zu verteilen.
Viele Landwirtinnen und Landwirte kennen das Bild: In der Senke wächst der Bestand kräftig, auf der Kuppe bleibt er deutlich schwächer. Genau hier setzt die teilflächenspezifische Düngung im Rahmen des Precision Farming an. Philipp Tegethoff aus Lettewitz bei Wettin-Löbejün steuert die Nährstoffzufuhr auf seinem 4.500-Hektar-Ackerbaubetrieb nach Zonen. Ziel war von Anfang an, den vorhandenen Mineraldünger gezielter auf die Teilflächen zu verteilen. „Wir wollten Nährstoffe besser umverteilen“, sagt Tegethoff. „Stärkere Bereiche sollen ihr Potenzial nutzen, schwächere nicht überversorgt werden.“
Nördlich von Halle bewirtschaftet Tegethoff sehr unterschiedliche Böden – von schwerem Ton bis zu leichten, sandigen Bereichen. Dazu kommen der Regenschatten des Harzes und ausgeprägte Vorsommertrockenheit. „Wir haben quasi alles im Betrieb“, sagt er. Für die Düngung heißt das: Eine pauschale Strategie passt selten zur ganzen Fläche.
Der Betrieb hat 2014/2015 mit einem Stickstoffsensor am Traktor begonnen. Später kamen Satellitenbilder und Ertragskarten hinzu. Auch die verpflichtenden Bodenproben nutzt Tegethoff gezielt: Sie dienen als Kontrolle, ob die aus Karten und Erntedaten abgeleiteten Zonen zum Boden passen. „Die Satelliten- und Biomassekarten zeigen, wie sich der Bestand entwickelt. Bodenproben helfen, das einzuordnen. Und am Ende zeigt die Ertragskarte aus dem Mähdrescher, ob sich die Unterschiede auch im Ertrag wiederfinden.“
Auf heterogenen Schlägen lässt sich die Zonierung gut aus Boden, Satellitenbildern und Ertragskarten ableiten: Leichtere Bereiche haben meist weniger Ertragspotenzial, bessere Teilflächen entsprechend mehr. Auf gleichmäßigeren Flächen zählen Jahr, Kultur und aktueller Bestand stärker. Deshalb prüft Tegethoff jede Fläche vor der Maßnahme: Passt die Karte zu dem, was draußen steht?
Im Zuge des Betriebswachstums hat Tegethoff den Ablauf vereinfacht. Anfangs arbeitete der Betrieb mit einem Online-System mit Stickstoffsensor. Bei mehreren Düngerstreuern, mehreren Spritzen und nur einem Sensor wurde das jedoch kompliziert in der Bedienung. „Jeder Fahrer sollte das ziemlich einfach können“, sagt Tegethoff. Deshalb werden die Karten heute vorab am PC geplant und anschließend auf die Maschine übertragen. Die Fahrer müssen die Karten draußen nicht neu einstellen, sondern die vorbereitete Maßnahme „nur noch abarbeiten“. So sollen Fehlerpunkte und Fehlbedienungen reduziert werden.
Praktisch läuft es so: Die Daten werden im Programm zusammengeführt, Tegethoff prüft die Fläche noch einmal und erstellt daraus die Applikationskarte. Sie wird ins passende Format gebracht und per Stick auf die Maschine übertragen; eine direkte digitale Schnittstelle ist im Betrieb ebenfalls Thema. Schlepper und Düngerstreuer arbeiten die Karte anschließend über GPS und Section Control ab.
„Wenn die Daten vorbereitet sind, geht es heute relativ schnell: Karte erstellen, ins richtige Format bringen, auf die Maschine übertragen – das dauert oft nur 15 bis 30 Minuten“, sagt Tegethoff. Sein Leitsatz: „Keep it simple“ – so einfach wie möglich und mit dem bestmöglichen Effekt.
Der Nutzen liegt für Tegethoff nicht darin, überall pauschal weniger zu düngen. Entscheidend ist, den Dünger dorthin zu bringen, wo der Bestand ihn auch nutzen kann. So lässt sich das vorhandene Nährstoffangebot besser ausschöpfen, ohne schwächere Bereiche unnötig hoch zu versorgen. Gleichmäßigere Bestände reifen besser ab, Mähdrescher und Feldhäcksler werden gleichmäßiger ausgelastet.
Für den Einstieg empfiehlt Tegethoff, einfach zu starten: mit einem bekannten Schlag und vorbereiteten Offline-Applikationskarten. Kleine Mengenanpassungen von fünf bis zehn Prozent reichen aus, um zu prüfen, ob Karte, GPS, Fahrer und Maschine zusammenspielen. Sein Rat: „Man muss sich einfach trauen.“ Erst einfach starten, Erfahrungen sammeln und dann Schritt für Schritt weiterentwickeln.