Sommer auf dem Acker: Was nach der Ernte für Stoppelmanagement, Boden und Zwischenfrüchte wichtig ist

Nach der Ernte zählt nicht Tempo, sondern der passende Eingriff. Ulrich Steimle zeigt, warum Bodenfeuchte, Unkrautdruck und der Blick mit dem Spaten zusammengehören.

Stroh verteilen, Ausfallgetreide regulieren, Zwischenfrucht etablieren: Nach der Ernte werden die Weichen für die nächste Kultur gestellt. Ulrich Steimle aus Dormettingen setzt dabei auf Minimalbodenbearbeitung, grüne Bestände und Bodenruhe. Er wirtschaftet auf schweren, humosen Tonböden, teils flachgründig, auf rund 650 Metern Höhe.

Was nach dem Mähdrescher passiert, entscheidet sich für ihn nicht erst nach der Ernte. „Im Prinzip fängt das schon während der vorherigen Vegetation an. Bereits im Bestand zeigt sich, ob eine Fläche wegen Ackerfuchsschwanz, fehlender Bodenfeuchte oder der geplanten Folgekultur besondere Aufmerksamkeit braucht“, sagt Steimle. Die Fruchtfolge gebe den Rahmen vor, doch jedes Jahr und jeder Schlag verlange eine eigene Antwort.

Stoppelbearbeitung: Erst den Boden prüfen, dann entscheiden

2026 ist das besonders deutlich: Ende Juli ist es extrem trocken. Ausfallgetreide läuft kaum auf, im Tonboden stehen tiefe Risse. „Es macht keinen Sinn, jetzt irgendwas auf dem Acker zu machen. Zu frühe Bearbeitung würde grobe Kluten und unnötige Bodenbewegung riskieren“, sagt er. Vor jeder Maßnahme geht deshalb der Spaten in den Boden. „Der Spaten ist eigentlich mein wichtigstes Gerät“, sagt Steimle. Bodenfeuchte, Krümelstruktur und Verdichtungen zeigen, ob Warten, Striegeln oder flaches Arbeiten passt.

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Stoppelmanagement mit möglichst wenig Bodenbearbeitung

Die Maßgabe lautet: so wenig Eingriff wie möglich – aber passend zum Problem. Wenn Feuchte und Auflauf passen, setzt Steimle zuerst auf den Striegel. Er bewegt den Boden kaum, reißt angekeimtes Ausfallgetreide ab und verteilt Stroh an der Oberfläche. „Untergearbeitet ist vielleicht der falsche Begriff. Dem Keimling fehlt danach der Bodenkontakt, er vertrocknet“, beschreibt Steimle.

Flach gearbeitet wird nur bei Bedarf: etwa bei Altverunkrautung, die sonst aussamen würde, oder wenn Gärreste einzuarbeiten sind. Nach Raps reicht bei sauberen Beständen oft der Striegel, nach Mais werden die Stoppeln gemulcht; anschließend erfolgt die Saat möglichst direkt im Strip-Till-Verfahren – nicht als klassische Direktsaat.

Warum Pflanzenschutzmittel eine wichtige Voraussetzung für Minimalbodenbearbeitung sind

Für Steimle zahlt sich die reduzierte Bearbeitung aus. Die Bodenstruktur hat sich verbessert, die Flächen tragen besser und das Bodenleben ist aktiver. „Wir sehen jetzt schon seit Jahren, dass sich das ganz toll entwickelt“, sagt er. Zugleich benennt er die Grenze: „Das System funktioniert nicht ohne wirksame Pflanzenschutzmittel. Das ist Grundvoraussetzung.“ Er setzt sie mit geringen Aufwandmengen ein, achtet dabei aber auf Wasseraufbereitung, passende Düsentechnik und optimale äußere Bedingungen – etwa Luftfeuchte, Temperatur und bei Bedarf auch eine Ausbringung in den Nachtstunden. So lassen sich Distel, Quecke und andere Problemunkräuter kontrollieren, ohne den Boden intensiv zu bearbeiten. Sollten noch mehr wirksame Pflanzenschutzmittel verboten werden, ohne dass eine praktikable Alternative zur Verfügung steht, wäre seine Bewirtschaftung in dieser Form aus Steimles Sicht nicht mehr möglich.

Zwischenfrüchte fördern Bodenleben und schützen den Boden

Für Steimle ist die Zwischenfrucht vor allem ein Baustein für Bodenbedeckung und Bodenleben. „Das Wichtigste ist für mich, dass lebende Wurzeln im Boden sind“, sagt er. Deshalb soll nach der Ernte möglichst schnell wieder ein grüner Bestand stehen – sofern ausreichend Bodenfeuchte vorhanden ist.

Vor Mais setzt Steimle gezielt auf überwinternde Komponenten. Die Zwischenfrucht soll den Boden bis zur Frühjahrskultur bedecken und lebende Wurzeln erhalten. Stirbt der Bestand schon im Winter ab, fehlt dieser Effekt über Monate. Welche Mischung passt, entscheidet er nach Folgekultur, Saatzeitpunkt, Standort und Kosten.

Erfolgreiches Stoppelmanagement braucht flexible Entscheidungen

Die Lehre aus trockenen Sommern und nassen Herbsten lautet für Steimle: „Flexibel bleiben. Schema F gibt es bei uns nicht“. Nach der Ernte zähle nicht, möglichst schnell zu fahren. Entscheidend sei, ob die Maßnahme Boden, Unkrautregulierung und Folgekultur weiterbringt – und ob sie im gesamten Ackerbausystem wirtschaftlich sinnvoll sei. Oder wie Steimle es zusammenfasst: „Gute Landwirtschaft beginnt nicht mit einer Maschine, sondern mit dem Verständnis für den Boden.“