Für viele Betriebe bleibt die Frühjahrsdüngung 2026 ein Balanceakt: Ertrag und Qualität sichern, Nährstoffe gezielt einsetzen und dabei rechtlich sauber arbeiten. In den meisten Bundesländern ist der Spielraum nun etwas größer geworden, weil rote und gelbe Gebiete nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts aufgehoben sind. Gleichzeitig bleiben die zentralen Vorgaben bestehen, etwa, dass der Düngebedarf vor der ersten wesentlichen N- oder P-Gabe schriftlich ermittelt werden muss.
Wie viel Fingerspitzengefühl bei der Düngung nötig ist, erlebt Landwirtin Edeltraud Spreng-Steinberger in ihrem Betriebsalltag in Eichstätt. Am Rand des Altmühltals bewirtschaftet sie knapp 190 Hektar Ackerfläche mit sehr unterschiedlichen Böden – von sandig bis lehmig über steinig bis hin zu Flächen mit Lössauflage. Für sie ist klar: Eine tragfähige Düngestrategie muss immer den Standort, den Bestand und die konkreten Bedingungen auf dem Schlag im Blick behalten.
Dass die Zusatzauflagen in den roten Gebieten weggefallen sind, entlastet viele Betriebe. „Ich glaube, die Hauptprobleme waren unter den Auflagen der roten Gebiete einfach die immense Bürokratie, der zusätzliche Aufwand und dass man mit Minderertrag und Minderqualität gestraft gewesen ist“, sagt Spreng-Steinberger. Ihrer Einschätzung nach wird die Düngeplanung dadurch nicht automatisch einfacher. Denn Unsicherheit bleibt – vor allem mit Blick auf politische Änderungen und die Frage, wie dauerhaft die Situation ist.
Für Spreng-Steinberger steht nicht die maximal mögliche Gabe im Mittelpunkt, sondern der tatsächliche Bedarf der Pflanze. Sie setzt weiter auf genaue Beobachtung, saubere Ableitung des Düngebedarfs und Nmin-Proben, auch wenn diese nicht mehr verpflichtend sind. „Wenn der Dünger nicht gebraucht wird, gehört er auch nicht auf die Fläche“, sagt sie. Ihr Ansatz ist klar: nicht pauschal düngen, sondern Standort, Boden und Bestand genau in die Entscheidung einbeziehen.
(Foto: Edeltraud Spreng-Steinberger)
Digitale Werkzeuge unterstützen diese Strategie, ersetzen sie aber nicht. Spreng-Steinberger arbeitet mit Ackerschlagkartei, Lenksystem, automatischer Teilbreitenschaltung, Biomassekarten und Ertragsdaten. Die Schlagkartei hilft ihr, Planung und Dokumentation praktikabel und rechtlich belastbar abzubilden. Biomassekarten und Ertragserfassung nutzt sie, um die eigene Einschätzung der Flächen zu überprüfen. „Wir sind mit den Feldern aufgewachsen. Wir wissen eigentlich, wo der gute Boden, der schlechte Boden, der festere, der wärmere oder der kühlere Boden ist“, erklärt die Landwirtin. Digitale Hinweise werden deshalb nicht blind übernommen, sondern mit Erfahrung und genauer Kenntnis der Teilflächen zusammengeführt. Der Stickstoffbedarf kann so fortlaufendend festgestellt und die Düngung entsprechend dynamisch angepasst werden.
Für sie ist die Dokumentation kein Anhängsel, sondern Teil der Düngeplanung. Wer Düngebedarfsermittlung, Ausbringung und Jahresübersicht sauber in einer praxistauglichen Software abbildet, schafft Ordnung und Sicherheit. „Das Wichtigste ist für mich, dass das einfach rechtlich tragfähig ist“, sagt sie.
Ihr Rat für die Frühjahrsdüngung 2026: nicht nur auf Stickstoff schauen. Die strengen Vorgaben der roten Gebiete sind zwar ausgesetzt, jedoch sollte eine angepasste Pflanzenernährung immer im Sinne des Landwirts sein. Auch Grundnährstoffe, Schwefel, Magnesium und Mikronährstoffe müssen mitgedacht werden. Ganz im Gedanken der Liebig-Tonne. Wer seine Flächen kennt, Unterschiede innerhalb des Schlages ernst nimmt und digitale Hilfsmittel mit praktischer Erfahrung verbindet, kann die Saison effizient, fachlich fundiert und rechtlich sicher angehen.