Frühe Pflanzenschutzstrategien:
So erkennt Max Klockemann Schädlinge und Krankheiten rechtzeitig

Frühe Pflanzenschutzstrategien:
So erkennt Max Klockemann Schädlinge und Krankheiten rechtzeitig

Max Klockemann aus Bad Münder in Niedersachsen steht für einen Ackerbau, der Ertrag und Nachhaltigkeit konsequent zusammendenkt. Neben Winterweizen und weiteren Getreidearten baut er Zuckerrüben sowie Raps und Kartoffeln an; zudem sind die Klockemanns auf Ackergras spezialisiert. Beim Pflanzenschutz gilt für ihn der Grundsatz „so viel wie nötig, so wenig wie möglich“. Bevor er behandelt, will er sicher sein, dass der Befall wirklich relevant ist: Er kombiniert Feldkontrollen, Prognosen sowie Schadschwellen und greift erst chemisch ein, wenn die Hinweise eindeutig sind.

Feldkontrolle im Frühjahr: Warum das Monitoring jetzt startet

Klockemann startet die ersten Rundgänge nach dem Winter, sobald der Schlag begehbar ist. Ein festes Datum gibt es nicht, die Witterung gibt den Takt vor. Wenn die Temperaturen steigen, wird das Monitoring zur Routine: mindestens einmal pro Woche fährt er dann jede Fläche an, steigt aus und geht mehrere Meter in den Bestand. Am Feldrand entsteht leicht ein falscher Eindruck; erst mehrere Kontrollpunkte zeigen, wie gleichmäßig sich Pflanzen entwickeln und ob erste Symptome oder Fraßspuren auftauchen. „Dabei muss man mit offenem Auge und mit offenem Sinn über das Feld gehen“, betont er.

Pflanzenschutz nach Daten: Wetter, Warnsysteme und Insektenfallen

Bei milder, feuchter Witterung kontrolliert Klockemann häufiger und genauer. Dann schaut er Blatt und Stängel gezielt an, grenzt Schadbilder ab und prüft bei Bedarf mit der Lupe. Parallel gleicht er seine Beobachtungen „mit dem Handy in der Hand“ mit Wetter- und Warndaten ab. „Ich benutze dabei drei verschiedene Apps, um mich abzusichern“, beschreibt Klockemann. So zeichne sich zuverlässiger ab, ob ein stabiles Zeitfenster bevorsteht oder ob Wind und Regen die Wirksamkeit gefährden. Ergänzend nutzt er Prognosesysteme wie ISIP (Informationssystem Integrierter Pflanzenschutz) sowie Gelbschalen, teils KI-gestützt, die Zuflug und Aktivität von Schadinsekten melden.

 (Foto: Max Klockemann)

Moderne Spritztechnik spart Wirkstoffe

Wenn eine Maßnahme nötig ist, setzt Klockemann auf moderne Technik, um Mittel zielgenau und ressourcenschonend auszubringen. Ein rund 30 Jahre alter Traktor arbeitet bei ihm mit einer neuen Pflanzenschutzspritze, die zentimetergenau appliziert. Das Gestänge hält den Abstand zum Boden auch in unebenem Gelände automatisch, und jede Düse wird per GPS einzeln geschaltet. So vermeidet er Überlappungen, reduziert Fehlstellen und setzt Pflanzenschutzmittel genau dort ein, wo sie wirken. Das spart Wirkstoff, Wasser und Zeit, während gleichzeitig unnötige Doppelbehandlungen vermieden werden.

Vorbeugender Pflanzenschutz: Fruchtfolge senkt Krankheits- und Schädlingsdruck

Den größten Hebel sieht Klockemann in der Vorbeugung. An erster Stelle steht eine standortangepasste Fruchtfolge. „Das ist für mich das wichtigste Mittel, um Krankheits- und Schädlingsdruck grundsätzlich zu senken“, erklärt der Junglandwirt. Genauso wichtig ist ihm der Austausch mit Beraterinnen und Beratern sowie Versuchsstationen. Regionale Erfahrungen, aktuelle Warnmeldungen und Versuchsergebnisse helfen, Entwicklungen richtig zu bewerten und Strategien rechtzeitig anzupassen.

(Foto: Max Klockemann)

Wenn Wirkstoffe fehlen: Pflanzenbau wird wichtiger

Auch den Wegfall von Wirkstoffen hat Klockemann im Blick. Fehlen bestimmte Mittel, setzt er stärker auf pflanzenbauliche Stellschrauben – etwa Zwischenfrüchte, Pflügen, Scheinsaatbett oder angepasste Saattermine –, um Unkraut- und Krankheitsdruck zu senken. Das ist meist mit höherem Arbeits- und Kostenaufwand verbunden und kann – je nach Witterung und Befallsdruck – auch das Risiko von Ertragsausfällen erhöhen. „Insgesamt wird es für heimische Betriebe mit dem schrumpfenden Wirkstoffspektrum schwieriger, Schäden zuverlässig zu begrenzen. Gegenüber Ländern mit einem breiteren Wirkstoffangebot sinkt dadurch spürbar die Wettbewerbsfähigkeit“, sagt Klockemann abschließend.