Trockenheit, Hitze und Starkregen setzen landwirtschaftliche Bestände unter Druck. Bernd Günther zeigt, warum er auf Direktsaat setzt – und weshalb für ihn Bodenstruktur, Bodenleben, Wasserhaushalt und Pflanzenernährung zusammengehören.
Der Klimawandel stellt Ackerbaubetriebe vor neue Herausforderungen: längere Trockenphasen, hohe Temperaturen und zunehmender Starkregen. Für Bernd Günther dreht sich südlich von Würzburg deshalb vieles um die Frage, wie das Wasser auf der Fläche bleibt und sich Erosion vermeiden lässt.
Seine Antwort ist Direktsaat. Er verzichtet dabei vollständig auf Bodenbearbeitung und legt das Saatgut direkt in den möglichst dauerhaft bedeckten Boden ab. Auslöser für die Umstellung war ein Starkregenereignis im Jahr 2016. Innerhalb von 20 Minuten fielen 100 Liter Regen, zugleich kam es zu massiver Erosion. „Das war der Punkt, wo wir gesagt haben: Wir können so nicht weitermachen. Wir müssen die Bodenstruktur verbessern“, erinnert sich Günther.
Heute bleibt die Bodenstruktur möglichst ungestört, Pflanzenreste schützen die Oberfläche und lebende Wurzeln halten den Boden möglichst lange durchwurzelt.
Günther wirtschaftet überwiegend auf fruchtbaren, erosionsgefährdeten Lössböden – bei vergleichsweise geringem Niederschlag. „Die Niederschläge sind im Mittel nicht unbedingt geringer geworden, schwieriger ist die Verteilung“, beschreibt er. Für ihn zählt deshalb nicht allein, wie viel Regen fällt, sondern wieviel davon der Boden aufnehmen kann. „Man muss unterscheiden, ob man Niederschlag im Regenmesser hat oder ob man ihn wirklich in die Fläche bekommt.“
In seinem Direktsaatsystem bleibt der Boden möglichst dauerhaft bedeckt. Das kann das Eindringen des Wassers erleichtern und schützt zugleich vor Verschlämmung und Erosion. Bearbeitungsgänge, die Feuchtigkeit kosten, entfallen.
Direktsaat ist für Günther deshalb mehr als eine reine Sätechnik. Entscheidend ist, dass Bodenchemie, Bodenbiologie und Bodenphysik zusammenpassen. Mit Bodenuntersuchungen nach dem Kinsey-Ansatz prüft er die Nährstoffverhältnisse. Gleichzeitig hält er den Boden möglichst ungestört und lebendig: Dadurch bleiben Regenwurmgänge erhalten, Pilzstrukturen können sich entwickeln und Wasser gelangt leichter in die Tiefe. Dazu kommen Zwischenfrüchte. Sie bedecken den Boden, liefern Nahrung für das Bodenleben und sorgen dafür, dass möglichst lange lebende Wurzeln im Boden vorhanden sind.
Ob die Nährstoffe tatsächlich von der Pflanze aufgenommen werden, prüft Günther zusätzlich mit Pflanzensaftanalysen, ein- bis zweimal pro Saison und Kultur. Seine Vorstellung beschreibt er mit einem Bild: „Der Boden ist für mich der Kühlschrank. Entscheidend ist nicht nur, wie gut dieser gefüllt ist, sondern ob die Pflanze die Nährstoffe auch aufnehmen kann.“ Bodenanalyse, Pflanzensaftanalyse und Bestandsbeobachtung bilden für Günther deshalb die Grundlage, bevor er über Düngung, Fungizide oder Wachstumsregler entscheidet.
Auch im Pflanzenschutz merkt Günther Veränderungen. Getreide für Ganzpflanzensilage im Gemenge baut er häufig herbizidfrei an. Weil der Boden nicht bearbeitet wird, werden weniger Unkrautsamen zum Keimen angeregt. Auch Fungizid- und Insektizidmaßnahmen gingen nach seiner Erfahrung zurück.
Ganz ohne Pflanzenschutz geht es in seinem Anbausystem aber nicht. Vor der Aussaat muss vorhandener Aufwuchs bei Bedarf zuverlässig beseitigt werden. Dafür sieht Günther derzeit noch keine praktikable Alternative zu einer chemischen Behandlung. „Spaten und ein Totalherbizid, das sind die zwei Werkzeuge, auf die wir nicht verzichten können“, sagt er.
Für ihn ist Direktsaat klar der richtige Weg. „Weniger Erosion, bessere Wassernutzung und geringere Kosten zeigen mir, dass sich die Umstellung ökonomisch und ökologisch gelohnt hat. Wir sind im Vergleich zur früheren Mulchsaat besser auf Wetterextreme vorbereitet“, sagt Günther.
Dabei versteht Günther Direktsaat nicht als Patentlösung für jeden Betrieb. Standort, Boden, Kulturen und betriebliche Abläufe müssen aus seiner Sicht zusammenpassen. Entscheidend sei, das gesamte Anbausystem zu betrachten und die einzelnen Maßnahmen aufeinander abzustimmen.
Sein Fazit bringt Günther so auf den Punkt: „Für uns ist Direktsaat gelebte Nachhaltigkeit, weil sie den Boden vor Wind- und Wassererosion schützt, das Bodenleben fördert und Wasser besser in der Fläche hält.“