Blühstreifen schaffen Lebensräume für Insekten, bieten Rückzugsräume für Wildtiere und fördern Nützlinge. Winzer Marco Becker zeigt, warum Standort, Saatmischung und Standzeit über den Nutzen entscheiden.
Blühstreifen sollen auf dem Betrieb von Marco Becker mehr leisten als Farbe in die Landschaft zu bringen. Der Winzer aus Mainz-Ebersheim setzt sie gezielt ein, um zusätzliche Lebensräume zu schaffen und die Artenvielfalt auf und neben seinen Flächen zu erhöhen. „Wir schaffen auf der Gesamtfläche mehr Biodiversität“, sagt Becker. Entscheidend ist für ihn, wo ein Streifen liegt, was dort wächst und wie lange er bestehen bleibt.
Soll ein Blühstreifen Rückzugs- und Lebensraum für Insekten, Wildbienen und Niederwild bieten, wählt Becker eher ruhige Flächen weit draußen in freier Feldflur. Soll die Maßnahme zugleich zeigen, was Landwirtschaft für die Biodiversität leistet, kann ein Platz an einem öffentlich viel genutzten Weg sinnvoll sein. „Uns ist wichtig, Biodiversität nicht nur zu fördern, sondern auch zu erklären, warum wir das tun“, betont der Landwirt.
Daher bietet er zusammen mit seiner Frau Führungen für Kindergärten und Schulen auf dem Betrieb an. Alexandra Becker bringt dafür eine Ausbildung in der Bauernhofpädagogik mit und ist inzwischen zusätzlich zertifizierte Nachhaltigkeitsbotschafterin. Bei den Führungen können Kinder erleben, warum und wie Artenvielfalt und Landwirtschaft zusammengehören. Dieses Bewusstsein möchten die Beckers Kindern vermitteln – und zugleich Familien erreichen, die heute nur noch wenig Berührung mit Landwirtschaft haben.
Bei der Saatmischung schaut Marco Becker darauf, welche Insekten auf der Fläche vorkommen und welches Blühangebot entstehen soll. Auf seinen Blühstreifen kommen mehrjährige heimische Blühmischungen zum Einsatz, die je nach Standort und Zielsetzung durch einjährige Arten wie Borretsch, Ringelblumen, Kornblumen und Mohn ergänzt werden. Die Auswahl folgt dabei weniger der Optik, sondern soll Insekten und Wildbienen ein passendes Nahrungsangebot bieten.
Bleiben die Flächen länger bestehen, können zusätzlich Rückzugs- und Überwinterungsmöglichkeiten entstehen. So finden Insekten neben Nahrung auch Strukturen, die sie über die Blüte hinaus nutzen können. Entscheidend ist für Becker deshalb, die Saatmischung auf die jeweilige Fläche und ihre Funktion abzustimmen.
„Blühstreifen spielen eine wichtige Rolle im Pflanzenschutz“, sagt Becker. Auch wenn sie keine notwendigen Pflanzenschutzmaßnahmen ersetzen, fördern sie natürliche Gegenspieler von Schädlingen. Schwebfliegen, Marienkäfer oder Spinnen können zur natürlichen Regulation beitragen. Becker spricht von „mehr Antagonisten“ in der Fläche. Der Blühstreifen ist damit ein zusätzlicher Baustein des integrierten Pflanzenschutzes, von dem auch Nützlinge profitieren.
Für Becker haben Blühstreifen noch eine weitere Funktion: Sie machen sichtbar, was Landwirtschaft für die Biodiversität leistet. Gerade Flächen an öffentlich viel genutzten Wegen werden wahrgenommen, wecken Interesse und bieten Anlass für Gespräche. Darin liegt für ihn ein besonderer Wert. Der Blühstreifen schafft nicht nur Lebensraum auf den eigenen Flächen. Er kann auch dazu beitragen, Landwirtschaft und Bevölkerung wieder ein Stück näher zusammenzubringen – und zu zeigen, warum die Förderung der Biodiversität für Betriebe wie seinen längst Teil der täglichen Arbeit ist.
Die feldhelden-Infotafeln „Wir fördern Biodiversität mit Blühstreifen“ können direkt an der Fläche eingesetzt werden. Sie erklären Spaziergängern und Anwohnern, warum Blühstreifen in der Landwirtschaft angelegt werden und welchen Nutzen sie für Insekten, Wildtiere und Nützlinge haben.
Hier können Sie die Infotafeln direkt bestellen: „Aktionsmaterial“