Obsternte 2026: Zwischen Sonnenbrand und Apfelwickler

2026 brachte Hitze, Sonnenbrand und neuen Schädlingsdruck. Landwirtin Carola Wicke erklärt, wo Pflanzenschutz im Obstbau an Grenzen stößt und warum moderne, wirksame Lösungen für sichere Ernten und eine starke regionale Obstproduktion wichtig sind.

Täglich bewässern und trotzdem nur rund 50 Prozent einer normalen Apfelernte, so fällt die Bilanz von Carola Wicke aus der Südpfalz aus. „Die frühen Sorten sind am Baum regelrecht verkocht. Bei den späteren war der Sonnenbrand teilweise so stark, dass selbst der Saft verbrannt geschmeckt hätte.“ Dabei lief die bedarfsgesteuerte Bewässerung zeitweise täglich statt wie sonst etwa zweimal pro Woche. 

Dasselbe Wetter brachte aber auch Gewinner hervor. Pfirsiche, Aprikosen und Nektarinen lieferten überdurchschnittliche Erträge mit viel Zucker und Aroma. „Wären wir ein reiner Apfelbetrieb, wäre dieses Jahr wirklich schwer zu stemmen gewesen.“ Die breite Aufstellung des Betriebs wurde 2026 zum Puffer.

Wenig Apfelschorf, aber zunehmender Schädlingsdruck im Obstbau

Die Trockenheit hielt viele Pilzkrankheiten in Schach, Schorf spielte kaum eine Rolle. Dafür machte 2026 vor allem der Apfelwickler Probleme. Normalerweise entwickelt er zwei Generationen. Der lange, warme Sommer brachte nach Wickes Beobachtung eine dritte. „Mit zwei Behandlungen im Frühsommer kommen wir normalerweise hin. Diesmal kam eine dritte Generation und dafür hatten wir nichts Wirksames mehr in der Hand.“ Die Folge war deutlicher Spätbefall in den Äpfeln.

Mit Blick auf die kommende Saison sieht Wicke weitere Lücken. Mit dem Wegfall eines wichtigen Insektizids fehlt künftig eine wirksame Bekämpfung der Blutlaus im Apfel und von Schildläusen im Stein- und Kernobst. Gerade im Pfirsich können Schildläuse ganze Bäume zum Absterben bringen. Im kommenden Jahr fällt zudem ein wichtiges Mittel gegen die Mehlige Apfelblattlaus weg. „Damit fehlen kurzfristig die wichtigsten Insektizide im Apfel- und Birnenanbau“, sagt Wicke.

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Copyright: Carola Wicke

Weniger Pflanzenschutzlösungen erschweren den Schutz von Äpfeln und Steinobst

Ein Problem ist der Wegfall bewährter Möglichkeiten zur Schädlingsbekämpfung. Gleichzeitig verschärfen neue oder zunehmend relevante Schädlinge wie die Kirschessigfliege und verschiedene Wanzenarten die Lage zusätzlich.

Umso wichtiger sind für Wicke wirksame und praxistaugliche Alternativen. „Es ist ja nicht so, dass wir keine Alternativen wollen. Wenn es wirksame Lösungen gibt, setzen wir sie ein.“ Der Betrieb nutzt beispielsweise Pheromone gegen den Pfirsichwickler und resistente Sorten gegen Schorf und Mehltau. Ganz umstellen kann Wicke ihr Sortiment aber nicht: „Die Kunden wollen auch ihre Rubinette und ihren Elstar. Und die sind nun einmal nicht schorfresistent.“

Auch wenn Obstanbaubetriebe wie der von Carola Witte bereits auf verschiedene Verfahren und Ausweichmöglichkeiten zurückgreifen, gibt es bislang nicht für jedes Problem eine praktikable, wirksame und wirtschaftliche Lösung. Kulturschutznetze könnten Steinobst vor der Kirschessigfliege schützen. Doch solche Investitionen sind für den Betrieb derzeit kaum zu stemmen. Zu unsicher ist, wie es mit dem Obstbau weitergeht.

Obstbäuerin fordert wirksame Lösungen für sichere regionale Ernten

Für Wicke ist deshalb klar: „Gegen das Klima können wir nichts tun, damit müssen wir uns arrangieren.“ Beim Pflanzenschutz dagegen brauche es verlässliche und wirksame Lösungen. Ihr Appell: „Gebt uns etwas an die Hand, dann machen wir weiter.“

Wenn Betrieben gegen Schädlinge wirksame Mittel fehlen, wird es immer schwieriger, Obst wirtschaftlich anzubauen und die Bevölkerung mit gesunden, regionalen Lebensmittel zu versorgen.