Der Japankäfer ist am Bodensee angekommen. Obstbauer Martin Nüberlin berichtet, was das für seinen Betrieb bedeutet, welche Auflagen gelten und worauf es bei der weiteren Ausbreitung des Japankäfers ankommt.
Der Japankäfer kann mehr als 400 Pflanzenarten befallen und erhebliche Schäden verursachen. Wo der Quarantäneschädling auftaucht, zählt vor allem: Befall früh erkennen und die weitere Ausbreitung eindämmen. Am Bodensee wird das inzwischen zur praktischen Herausforderung. Seit 2024 wird der Japankäfer im Raum Lindau mit Fallen überwacht. Damals wurden erste Tiere nachgewiesen, 2025 nahm die Zahl der Funde zu, in diesem Jahr nochmals deutlich. Anfang September wurde deshalb erstmals in Bayern eine Quarantänezone gegen den Japankäfer eingerichtet.
In der Quarantänezone liegt auch der rund 20 Hektar große Obstbaubetrieb der Familie Nüberlin, der heute in 26. Generation geführt wird. Fachleute haben die Anlagen kontrolliert und auch im Boden nach Larven gesucht. Bislang (noch) ohne Befund: „An unseren Kulturen haben sie keine gefunden“, erklärt Martin Nüberlin. Auch Fraßschäden hat er nicht festgestellt.
Für Nüberlin ist der Japankäfer dennoch Teil einer größeren Herausforderung. Feuerbrand, Wanzen oder die Kirschessigfliege haben bereits gezeigt, dass sich Obstbaubetriebe immer wieder auf neue Schaderreger und Krankheiten einstellen müssen. „Wir kriegen solche Meldungen von neuen Erregern immer wieder“, sagt er.
Im Arbeitsablauf hat sich durch die Quarantänezone bislang allerdings nur wenig verändert. „Wir sind schon seit Jahren permanent unterwegs und suchen nach Schädlingen, unter anderem mit der Lupe“, sagt Nüberlin. Auch die Früchte werden bei der Ernte geprüft.
Spürbarer sind die Auflagen der Befallszone. Volle Obstkisten müssen auf dem Weg ins Lager abgedeckt werden. „Das ist machbar, aber lästig.“ Einschränkungen gelten zudem für Erde, Pflanzenreste und verschmutzte Maschinen. Bei Nässe bekomme das „schon eine andere Dimension“, weil dann Erde an Reifen und Maschinen haften kann und zusätzlicher Reinigungsaufwand entsteht.
Entscheidend ist, mögliche Befallsherde früh zu erkennen und die Bedingungen für die Vermehrung des Käfers möglichst ungünstig zu halten. Da die Weibchen ihre Eier bevorzugt in feuchte Grasflächen legen, dürfen Rasen- und Grasflächen in der Befallszone während der Flugzeit nicht bewässert werden. Auf dem Betrieb der Nüberlins ändert das derzeit wenig: Das Gras zwischen den Baumreihen wird ohnehin kurz gehalten.
Von der Regelung betroffen sind allerdings nicht nur landwirtschaftliche Flächen, sondern auch Sport- und Golfplätze. Darin sieht Nüberlin durchaus einen Vorteil: „Da haben wir gute Partner.“ Denn je mehr Bereiche die Folgen des Japankäfers unmittelbar spüren, desto größer ist aus seiner Sicht auch das gemeinsame Interesse, seine weitere Ausbreitung einzudämmen.
Noch ist beim Japankäfer keine direkte Bekämpfung erforderlich. Sollten sich Befallsherde entwickeln, brauche der Obstbau jedoch wirksame und zugelassene Pflanzenschutzmöglichkeiten – auch wenn das zusätzliche Kosten verursacht: „Ein weiterer Spritzgang kostet Aufwand, kostet Geld – und macht vielleicht unsere Nützlinge kaputt.“ Das trifft laut Nüberlin eine Branche, die ohnehin unter hohen Energie-, Lohn- und Nebenkosten sowie zunehmenden Auflagen leidet. Umso wichtiger seien Lösungen, „die ökologisch vertretbar sind und Wirkung haben“ – und Zulassungen, die im Ernstfall eine wirksame Bekämpfung ermöglichen.
Wie sich der Japankäfer am Bodensee weiterentwickelt, weiß Nüberlin nicht. „Als Unternehmer ist man Pragmatiker und nimmt die Situation, wie sie kommt.“ Für ihn heißt das: aufmerksam bleiben, Befall früh erkennen und im Ernstfall handlungsfähig sein.