Feldheld Hans von Schaaffhausen lehnt an großem Traktor auf Feldweg mit grünen Feldern und Windrädern im Hintergrund

Nährstoffe nach Bedarf: Digitale Tools geben den Feinschliff

Digitale Tools in der Düngung machen sichtbar, was das Auge im Bestand nicht immer erkennt. Landwirt Hans von Schaaffhausen erklärt, wie Biomasse- und Applikationskarten helfen, Nährstoffe gezielter einzusetzen — und warum die Entscheidung trotzdem beim Landwirt bleibt.

Düngung nach Schema F? Für Hans von Schaaffhausen ist das längst vorbei. Auf seinem 500-Hektar-Ackerbaubetrieb im nordwestlichen Harzvorland wechseln die Böden kleinräumig, von guten Tälern über tonige Kuppen bis zu Hanglagen. Genau deshalb nutzt er seit vielen Jahren digitale Unterstützung in der Düngung. Sein Ziel ist nicht der höchste Ertrag um jeden Preis, sondern die „ökonomische Spitze“.

Angefangen hat von Schaaffhausen vor 15 bis 20 Jahren mit Sensortechnik an seinem Schlepper. Heute arbeitet er mit Satellitendaten sowie Biomassekarten und Applikationskarten. Die Grundlage bleibt bodenständig: Auf 75 Prozent der Flächen lässt er Nmin-Werte untersuchen, auch wenn dies außerhalb der roten Gebiete nicht verpflichtend ist. „Bevor ich über die Düngung entscheide, muss ich wissen, was im Boden überhaupt vorhanden ist“, sagt er. „Vermutungen reichen mir da nicht — messen ist besser.“

Feldheld Hans von Schaaffhausen lehnt an großem Traktor auf Feldweg mit grünen Feldern und Windrädern im Hintergrund

 (Foto: Hans von Schaafhausen)

Der Landwirte bleibt auch bei der digital unterstützten Düngung der Entscheider

Digitale Tools zeigen, wie sich Bestände entwickeln, wo Biomasse fehlt oder Nährstoffe aus der Vorfrucht nachwirken. Doch die Entscheidung über die Düngung trifft nicht die Software. „Der Entscheidungsträger bin ich, weil ich auch der Verantwortliche bin am Ende des Tages“, betont von Schaaffhausen.


Deshalb bleibt der regelmäßige Blick in den Bestand unverzichtbar. Steht der Weizen dunkelgrün, wird die Gabe nach unten hin angepasst. Kommt Regen, kann sich die Strategie ändern. „Der grüne Daumen ist nach wie vor gefragt“, sagt er. Die Maschine übernimmt anschließend die Differenzierung bzw. die passende Düngeverteilung in der Fläche.

Digitale Biomassekarten machen Unterschiede sichtbar

Der große Vorteil digitaler Karten liegt für von Schaaffhausen darin, Unterschiede innerhalb eines Schlages genauer sichtbar zu machen. Das hat von Schaaffhausen auf einer gestriegelten Fläche selbst erlebt: Optisch sah der Bereich nach dem Eingriff später wieder gleichmäßig aus. In den Biomassekarten blieb der Effekt jedoch sichtbar. Für ihn ist deshalb klar: Bereiche mit geringerer Entwicklung lassen sich in den Karten früh erkennen und bei der Düngung gezielt berücksichtigen. „Das ist das, was der Mensch nicht sehen kann“, sagt er.

Nicht mehr, sondern bedarfsgerechter düngen

Ob digitale Tools messbar Dünger sparen, beantwortet von Schaaffhausen nicht schwarz-weiß. Zu viele Faktoren beeinflussen Ertrag und Qualität. Er ist aber überzeugt: Eine bessere Nährstoffausnutzung ist möglich, wenn Betriebe „da, wo mehr Bedarf ist, auch mehr geben und da, wo weniger Bedarf ist, auch weniger düngen“.


Entscheidend ist, die Menge an Standort, Bestand und Witterung anzupassen. Homogenere Bestände können die Ernte erleichtern und Lager reduzieren. Nach starken Sommerniederschlägen im Jahr 2017 hatte der Betrieb kaum Lagergetreide — auch, weil von Schaaffhausen lieber etwas zurückhaltender fährt und das ökonomische Optimum im Blick behält.

Digitale Tools in der Düngung – Einstieg über Applikationskarten

Die größte Hürde sieht er nicht in der Technik, sondern beim Menschen. Sein Rat: klein anfangen und sich jemanden suchen, der den Weg zeigt – am besten einen Berufskollegen. „Ich würde immer in kleinen Schritten erstmal anfangen zu sehen, wie das funktioniert.“


Für ihn sind Applikationskarten nicht mehr wegzudenken. Sein Mitarbeiter habe es einmal auf den Punkt gebracht: „Nie wieder ohne.“ Denn sie bringen eine Arbeitspräzision in die Fläche, die vorher kaum möglich war. Digitale Tools in der Düngung ersetzen nicht die Erfahrung des Landwirts – aber sie helfen, Entscheidungen genauer auf den Schlag und seine Unterschiede abzustimmen.